15Redaktionssitz der Nordhäuser Volkszeitung

Gebäude nicht mehr vorhanden
heute: gegenüber Wolfstraße 1
(Wolfstraße 14)

Foto Johannes Kleinspehn
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Johannes Kleinspehn, undatiert (Stadtarchiv Nordhausen)
Häuser in der Wolfstraße, das ehemalige Redaktionsgebäude er Volskzeitung ist mit Hakenkreuzen beflaggt
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Wolfstraße mit dem beschlagnahmten und beflaggten ehemaligen Redaktionsgebäude der Volkszeitung, nach 1933 (Stadtarchiv Nordhausen)

Nach dem Reichstagsbrand erließ Reichspräsident von Hindenburg Ende Februar 1933 die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, die wichtige Grundrechte wie die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit außer Kraft setzte. Mit Hilfe dieses Erlasses wurden vor allem Zeitungen und Zeitschriften der kommunistischen und sozialdemokratischen Opposition verboten. Auch die „Nordhäuser Volkszeitung“ wurde zur Aufgabe gezwungen.

Bis sie im Frühjahr 1933 ihr Erscheinen einstellen musste, war die Nordhäuser Volkszeitung ein etabliertes sozialdemokratisches Arbeiterblatt gewesen. Die Redakteur:innen der Zeitung wurden verhaftet. Das Redaktionsgebäude und die Druckerei der Volkszeitung, die sich im Besitz der SPD befanden, wurden im Mai 1933 im Zuge des Verbots der Partei enteignet. Kurze Zeit später zog eine SS-Formation in das Gebäude in der Wolfstraße ein.

Johannes Kleinspehn

Unter den verhafteten Mitarbeiter:innen der Nordhäuser Volkszeitung war auch der Chefredakteur Johannes Kleinspehn. 1880 geboren, war der gelernte Dreher im Alter von 23 Jahren in die SPD eingetreten. Seit 1910 war er hauptberuflich als Redakteur der sozialdemokratischen Nordhäuser Volkszeitung tätig. Er amtierte als Vorsitzender des SPD-Bildungsausschusses der Stadt Nordhausen und als Bezirksvorstand der SPD Thüringen. Von 1919 bis 1933 war Johannes Kleinspehn Abgeordneter des Preußischen Landtages. Er lebte mit seiner Familie in der Genossenschaftssiedlung an der Bleiche – einem Viertel, in dem viele Nordhäuser Sozialdemokrat:innen wohnten.

Nach seiner Verhaftung im März 1933 konnte Johannes Kleinspehn zwei Monate später wieder zu seiner Familie zurückkehren. Kurze darauf entkam er nur knapp einer erneuten Verhaftung und tauchte in Berlin unter, wo er sich der sozialdemokratischen Widerstandsgruppe „Deutsche Volksfront“ um Hermann Brill anschloss. Im September 1938 zerschlug die Gestapo die Widerstandgruppe. Johannes Kleinspehn wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe verschleppte ihn die Gestapo über das KZ Buchenwald in das KZ Sachsenhausen, wo er am 1. Februar 1944 starb.