7Modehaus Schönbeck

Gebäude nicht mehr vorhanden
(Kornmarkt 15)

Menschen stehen vor einem Schaufenster, der mit einem antisemitischen Boykottaufruf beschmiert ist
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Antisemitischer Boykottaufruf auf dem Schaufenster des Modehauses Schönbeck, vermutlich April 1933 (Stadtarchiv Nordhausen)
Blick auf den Kornmarkt
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Modehaus Schönbeck am Kornmarkt, undatiert (Stadtarchiv Nordhausen)
Annonce über die Neueröffnung des arisierten Modehaus Schönbeck als Modehaus Kramer
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Annonce in der Thüringer Gauzeitung, 31. August 1938 (Stadtarchiv Nordhausen)

Das Modehaus Schönbeck, das von der jüdischen Familie Weinbaum geleitet wurde, hatte eine langjährige Tradition in Nordhausen. Anfang der 1930er-Jahre zählte das Kaufhaus mit 105 Mitarbeitenden zu den größten Unternehmen der Stadt. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde die Familie zum Ziel antisemitischer Angriffe. Ihr Modehaus mussten die Weinbaums weit unter Wert verkaufen. Nicht allen Familienangehörigen gelang die Flucht vor der Deportation in die Vernichtungslager.

Bereits am 1. April 1933 begann mit einem landesweiten Boykott von jüdischen Geschäften, Arztpraxen und Anwaltskanzleien die organisierte Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland. Vor allem in den Kleinstädten riefen die Nationalsozialist:innen zum Boykott von Betrieben jüdischer Eigentümer:innen auf und trieben die Geschäftsleute auf diese Weise langfristig in den Ruin. Auch die Familie Weinbaum war von öffentlichen Anfeindungen und Boykottaktionen betroffen: SA und SS beschmierten die Schaufenster ihres Kaufhauses mit Verleumdungen und hinderten die Kund:innen daran, das Kaufhaus zu betreten.

Nach dem Novemberpogrom 1938 begann das nationalsozialistische Regime damit, jüdisches Eigentum ohne Entschädigungszahlungen zwangsweise zu enteignen. Die Familie Weinbaum musste ihr Geschäft aufgeben. Das Modehaus Schönbeck wurde „arisiert“: 1938 übernahm eine Mühlhäuser Firma das Kaufhaus, das unter „arischer“ Leitung und dem Namen „Modehaus Kramer“ neu eröffnete. Wie viele Unternehmen konnte auch diese Firma aus der Enteignung Profit schlagen, indem sie die Immobilie zu einem Preis weit unter seinem Wert erwarb.

Nach dem Zwangsverkauf des Familienbetriebes gelang es einem Teil der Familie Weinbaum, in die Niederlande zu emigrieren. Sie überlebten dort die deutsche Besatzung und den Krieg. Andere Familienmitglieder blieben in Nordhausen und wurden später in Lager verschleppt. Sie gelten bis heute als verschollen.